Affric Kintail Way

Schottland hat mich schon lange fasziniert – spätestens seit ich den West Highland Way gewandert bin. Die Weite der Highlands, das unberechenbare Wetter und diese besondere Mischung aus Einsamkeit und Wildnis haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Endlose Täler, einsame Seen, uralte Wälder und ein Wetter, das sich schneller verändert als irgendwo sonst in Europa. Für meine Reise in die Highlands wollte ich deshalb gleich zwei Fernwanderwege miteinander verbinden: den Affric Kintail Way und anschließend den berühmten Skye Trail. Dass ausgerechnet der zweite Teil der Reise ganz anders verlaufen würde als geplant, wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Die rund 75 Kilometer lange Strecke führt von Drumnadrochit, unweit des Loch Ness, bis nach Morvich an der Westküste Schottlands. Viele bezeichnen ihn als einen der schönsten Trails des Landes. Ob das wirklich so ist, wollte ich selbst herausfinden.

„Was wir der Natur antun, tun wir uns selber an.“

Peter Wohlleben

Anreise nach Drumnadrochit

Nach meiner Ankunft in Inverness ging es mit dem Bus nach Drumnadrochit. Schon während der Fahrt zeigte sich Schottland von seiner typischen Seite: dunkle Wolken, Regenschauer und immer wieder kurze Momente, in denen die Sonne durch die Wolken brach.

Vor dem Start gab es allerdings noch eine kleine Unsicherheit. Für die kommenden Tage brauchte ich unbedingt eine Gaskartusche für meinen Kocher. Durch meinen frühen Start in Inverness hatte ich jedoch keine Möglichkeit mehr, dort eine zu kaufen. Erst im Sparmarkt in Cannich würde sich die nächste Gelegenheit bieten. Sicherheitshalber hatte ich dort vorab nachgefragt – und die gute Nachricht bekommen, dass die passende Schraubkartusche vorrätig war.

Mit diesem Wissen konnte ich die Tour deutlich entspannter beginnen. Nach einem schnellen Frühstück aus dem Supermarkt machte ich mich schließlich auf den Weg zum offiziellen Startpunkt.

Busterminal Inverness
Busterminal Inverness
Loch Ness Hub
Loch Ness Hub
Schottisches Wetter ⭐
Schottisches Wetter ⭐
Anreise

Tag 1 – Zwischen Regen und Sonnenschein

Kaum war ich unterwegs, zeigte Schottland sein berühmtes Wetter. Regen, Wind und wenige Minuten später wieder Sonnenschein – ständig wechselten die Bedingungen. Genau das macht Wanderungen in den Highlands so besonders. Man lernt schnell, dass Regenkleidung und Sonnenbrille manchmal innerhalb weniger Minuten zum Einsatz kommen.

Die ersten Kilometer führen überwiegend über Forstwege und ruhige Straßen. Landschaftlich ist dieser Abschnitt noch eher zurückhaltend. Am ersten Wandertag störte mich das allerdings kaum. Nach der Anreise musste ich ohnehin erst einmal auf dem Trail ankommen, den Rhythmus finden und mich wieder an das Leben mit Rucksack gewöhnen.

Unterwegs begegnete ich nur wenigen Menschen. Dafür gab es genügend kleine Geschichten: ein kurzer Plausch mit einer Wanderin, ein unfreiwilliger Sitzplatz mitten in einem Ameisenhaufen und immer wieder der Blick zum Himmel, ob die nächste Regenfront bereits unterwegs war.

Am Abend erreichte ich Cannich – zufrieden, müde und bereit für den nächsten Tag.

Start Affric Kintail Way
Start Affric Kintail Way
Kurz nach Drumnadrochit
Kurz nach Drumnadrochit
Loch Meiklie
Loch Meiklie
Affric Kintail Way
Affric Kintail Way
Cannich
Cannich
Tag 1

Tag 2 – Dog Falls, Midges und der Wendepunkt des Trails

Die Nacht verlief regnerisch, doch am Morgen hatte das Wetter ein Einsehen. Das Zelt konnte halbwegs trocken eingepackt werden und ich machte mich erneut auf den Weg.

Auch dieser Abschnitt führt zunächst noch häufig über breite Forstwege. Während der Wanderung fragte ich mich mehr als einmal, ob der Affric Kintail Way wirklich seinem Ruf gerecht wird. Die Landschaft war zwar schön, aber noch nicht außergewöhnlich.

Ein erster Höhepunkt wartete an den Dog Falls. Der Fluss rauscht hier durch über Felsen und bildet mehrere kleine Wasserfälle. Eigentlich der perfekte Ort für eine längere Pause – wären da nicht die berüchtigten Midges gewesen. Kaum blieb ich stehen, wurde ich von einer Wolke dieser winzigen Stechmücken begrüßt. Die Pause fiel entsprechend kürzer aus als geplant.

Kurz darauf erreichte ich den Bereich rund um The Whale’s Back – und hier änderte sich mein Eindruck vom Trail schlagartig.

Der kleine River Walk führt direkt am Wasser entlang. Statt breiter Forststraßen geht es plötzlich über schmale Pfade durch den Wald, vorbei an Felsen, Stromschnellen und kleinen Wasserfällen. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf den Fluss und die umliegenden Berge. Genau so hatte ich mir eine Wanderung durch die schottischen Highlands vorgestellt.

Ich war sogar kurz davor, diesen kleinen Abstecher auszulassen. Zum Glück habe ich ihn doch gemacht. Für mich gehört dieser Abschnitt zu den schönsten Momenten der gesamten Tour.

Start in den Morgen mit den Midges
Start in den Morgen mit den Midges
Campsite Cannich
Campsite Cannich
Gaskartusche vom Sparmarkt
Gaskartusche vom Sparmarkt
The Dog Falls
The Dog Falls
Blick ins Glen Affric
Blick ins Glen Affric
Loch Beinn a' Mheadhoin
Loch Beinn a' Mheadhoin
Pause am Loch Beinn a' Mheadhoin
Pause am Loch Beinn a' Mheadhoin
The Whale's Back
The Whale's Back

Wenig später erreichte ich Loch Affric. Der lange See, eingerahmt von Bergen und uralten Kiefern, gilt nicht ohne Grund als einer der schönsten Orte der Highlands. Hier fand ich auch meinen Übernachtungsplatz. Eine kleine Wetterschutzhütte, Brennholz und ein Platz direkt am See machten den Abend perfekt. Als der Wind über das Wasser zog, verschwanden sogar die Midges – ein Luxus, den man in Schottland schnell zu schätzen lernt. 

The Whale's Back
The Whale's Back
Loch Affric
Loch Affric
Loch Affric
Loch Affric
Tag 2

Tag 3 – Durch das Glen Affric bis nach Morvich

Am Morgen warteten bereits unzählige Midges vor dem Moskitonetz meines Zeltes. Also verzichtete ich kurzerhand auf das Frühstück, packte schnell zusammen und machte mich auf den Weg. Kaum war ich unterwegs, sorgte der Wind wieder für Ruhe.

Jetzt zeigte sich der Affric Kintail Way endgültig von seiner schönsten Seite.

Die Landschaft wurde immer dramatischer. Hohe Berge rückten näher, klare Flüsse begleiteten den Weg und immer wieder eröffneten sich fantastische Ausblicke durch das Tal.

Die Jugendherberge entlang des Weges überraschte mich. Statt eines größeren Gebäudes stand hier lediglich eine schlichte Hütte mitten in der Wildnis. Wenig später erreichte ich eine Bothy – der ideale Ort für eine wohlverdiente Pause. Diese einfachen Schutzhütten gehören für viele Wandernde in Schottland einfach dazu. Ein heißer Kaffee, eine Portion Porridge und vor allem: keine Midges. Manchmal braucht es gar nicht mehr, um glücklich zu sein.

Gestärkt ging es weiter zu den Grannda Falls, wo sich der Fluss mit beeindruckender Kraft seinen Weg durch die Felsen bahnt. Kaum war ich wieder unterwegs, kam mir ein Radfahrer mit einem voll beladenen Fahrrad entgegen. An manchen Stellen schob und trug er sein Bike über den Weg. Ich musste schmunzeln – das ist wohl die Radfahrer-Version einer Fernwanderung.

Morgenstimmung am Loch Affric
Morgenstimmung am Loch Affric
Morgenstimmung am Loch Affric
Morgenstimmung am Loch Affric
Affric Kintail Way
Affric Kintail Way
Affric Kintail Way
Die Berge rücken näher
Fantastische Ausblicke
Fantastische Ausblicke
Jugendherge
Jugendherge
Camban bothy
Camban bothy
Pause mit Kaffee und Porridge
Pause mit Kaffee und Porridge

Immer wieder wechselten sich Sonne und Regen ab – typisch Schottland. Doch gerade dieses wechselhafte Licht verlieh der Landschaft eine besondere Atmosphäre und sorgte für einige meiner schönsten Aufnahmen.

Schließlich erreichte ich Morvich und damit das Ende des Affric Kintail Way. Von dort aus ging es weiter Richtung Isle of Skye, wo bereits das nächste Abenteuer auf mich wartete. Doch das nächste Kapitel dieser Reise sollte einige Überraschungen bereithalten.

Traum-Trail
Traum-Trail 😃
Grannda Falls
Grannda Falls
Geschafft!
Geschafft!
Tag 3

Mein Fazit

Der Affric Kintail Way hat mich überrascht – allerdings anders, als ich es zunächst erwartet hatte.

Die ersten Etappen bestehen zu einem großen Teil aus Forstwegen und breiten Wegen. Wer vom ersten Kilometer an spektakuläre Bergpfade erwartet, könnte zunächst etwas enttäuscht sein.

Doch je näher man Loch Affric kommt, desto beeindruckender wird die Landschaft. Spätestens der River Walk am Whale’s Back, die Umgebung von Loch Affric, die Bothy und die letzten Kilometer Richtung Morvich machen den Trail für mich absolut lohnenswert.

Dazu kommen die kleinen Geschichten, die jede Fernwanderung einzigartig machen: das unberechenbare Wetter, spontane Begegnungen, die Suche nach einer Gaskartusche, der tägliche Kampf gegen die Midges und die besonderen Momente, wenn plötzlich die Sonne durch die Wolken bricht und die Highlands in warmes Licht taucht.

Genau diese Mischung macht für mich den Reiz Schottlands aus.

Wenn du gerne einsame Landschaften, Wildcamping und mehrtägige Fernwanderungen liebst, solltest du den Affric Kintail Way definitiv auf deine Liste setzen. Und wenn du danach noch nicht genug von den schottischen Highlands hast, wartet mit der Isle of Skye bereits das nächste Abenteuer.

Mein Fazit

Route & Daten

0  Tage

Zeit

0  m

Niedrigster Punkt

0  m

runter

0  km

Distanz

0  m

Höchster Punkt

0  m

rauf

Momente entlang des Affric Kintail Way

Etappenübersicht