5 Tage allein auf dem Goldsteig
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ToggleTag 2 - Großer Arbersee zum Zwieseler Waldhaus
Nach einer anspruchsvollen ersten Etappe wird es heute etwas gemächlicher. Ich verlasse den Großen Arbersee und wandere am Großen Regen entlang nach Bayerisch Eisenstein. Durch den einen oder anderen Urwaldabschnitt führt mich der Goldsteig über das Schwellhäusl zum Zwieseler Waldhaus.
„Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst.“
(Haemin Sunim).
Der Bus schnauft hoch zum Bretterschachten. Mit mir sitzen viele Tagesausflügler im Bus, die sich auch schon, mit allerhand Wandergerät im Gepäck freuen, einen schönen Tag in der Natur zu verbringen. Kurz darauf hält der Bus an der Haltestelle am Großen Arbersee, ich steige aus und schreite schnurstracks zum See. Nach der langen Etappe gestern lasse ich es heute etwas gemächlich angehen. An der linken Uferseite führt ein Weg entlang, der mich zur Felsplatte führt, die wie eine Aussichtsplattform in den See hineinragt. Perfektes Plätzchen um den Seen am noch stillen Morgen zu genießen.
Idyllisch ist es hier, um so schwerer fällt es mir, mich auf den Weg zu machen. Kurz plaudere ich noch mit einer Wanderin, die einen unglaublich großen Rucksack trägt. Wir tauschen kurz Erlebnisse aus und ich verabschiede mich von ihr und dem See. Ich bin froh, so leicht, geradezu stromlinienförmig unterwegs zu sein. Der Goldsteig zeigt sich heute genügsam und fordert meine Ausdauer nicht wie noch gestern. Auf einer Forststraße schlängelt sich der Weg sanft am Geigenbach entlang bergab.
Vom Rauschen des Wildbaches begleitet komme ich der Seebachschleife immer näher. Hier treffe ich auf einen Kanal, der das Wasserkraftwerk gegenüber der Straße versorgt. Der Goldsteig wird wieder zum Pfad und ich folge dem Kanal. Kurz darauf sehe ich schon den Großen Regen und der Goldsteig schlängelt sich zwischen beiden Wasserwegen das Talbecken hoch. An einem kleinen Wasserkraftwerk bleibe ich stehen und bestaune das große Wasserrad mit Schaufeln aus Holz. Es wirkt fast antik, aber scheint seine Aufgabe noch immer gut zu erfüllen. Je tiefer ich in das Tal eintauche, desto mehr erfasst mich diese friedvolle Umgebung. Der Große Regen fließt über Felsblöcke, die mit leuchtend grünem Moos bewachsen sind.
Vögel zwitschern und ein leichter Morgenwind lässt die Blätter der Bäume im sanften Rhythmus auf- und abwiegen. Zwischen den Baumkronen spitzt immer wieder die Sonne hervor und bereitet mir einen unvergesslichen Wandertag. Der Kanal endet und an einer Brücke wechsle ich auf die rechte Seite des Großen Regen. Ein Wegweiser informiert mich, dass es nur noch zwei Kilometer bis Bayerisch Eisenstein sind.
Der Goldsteig verwandelt sich in einen wunderschönen Trail, der direkt am Ufer des Regens entlangführt. Ein Baumstumpf lädt mich ein, eine kurze Pause zumachen und innezuhalten. Der Fluss schlängelt sich wie eine Halbinsel um den Baumstumpf. Gestern noch ganz oben und heute unten im Tal, es ist einfach überall schön. Einfach nur die Augen öffnen und den Moment genießen.
Kurz vor Bayerisch Eisenstein endet der Trail und ich überquere erneut die Eisensteinermühle zurück auf die andere Seite des Flusses. Hier wird auch wieder Energie aus dem Grossen Regen gewonnen. Hinter dem Kraftwerk steige ich auf zum Kraftwerkskanal, der wenig später in den Wald eintaucht. Zwischen den Bäumen kann ich schon Bayerisch Eisenstein erkennen. Wenige Minuten später erreiche ich die Ortsmitte. Ich sitze auf einer Parkbank beim Maibaum. Es ist schon sehr ruhig hier, der Leerstand scheint hoch zu sein und das Café an der Ecke wohl schon länger geschlossen. Schade – die Blüte vergangener Tage ist verblasst.
Nach der Ruhepause sind meine Akkus wieder voll. Jetzt möchte ich wieder in den Wald. Ein kurzer Blick zum Großen Arber zurück und ich wandere am Localbahnmuseum vorbei zum Waldrand. Hier führt der Goldsteig wieder in den Wald. Durch Buchen- und Urwald steige ich gemächlich auf zum Hochbergsattel.
Ab dem Sattel führt der Trail runter zu meinem nächsten Ziel, dem Schwellhäusl. Durch einen dunklen Nadelwald führt mich der Goldsteig runter und fast märchenhaft mystisch empfängt mich das Schwellhäusl, das dort auf einer hellen Lichtung plötzlich auftaucht – ein echter Kraftort.
Schwellhäusl
Die Königliche Forstverwaltung errichtete im Jahr 1798 eine Wasserstauanlage in Holzbauweise am Schmalzbach. So entstand die erste Trift-Schwelle, die sogennante Schmalzbach-Schwelle, nach dem Namen des Baches benannt. Mit den angestauten Wasser war es möglich, das Holz in begradigten Bächen zum nahen Regenfluss und von dort bis weit in die Lande schnell und kostengünstig zu transportieren. 1828 folgte die Errichtung einer einfachen Unterkunft für die Waldarbeiter, die in den darauffolgenden Jahren zu Wohnzwecken ausgebaut und mit zahlreichen An- und Umbauten vergrößert wurde. Heute ist das Schwellhäusl ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel im Nationalpark Bayerischer Wald.
Wie eine Oase wirkt dieses historische Gebäude. Früher eine Unterkunft für Waldarbeiter wird heute für das leibliche Wohl der Wanderer und Ausflügler gesorgt. Um nicht zu dehydrieren 😉 , mache ich auch hier einen kleinen Boxenstopp. Weiter geht’s! Der Schwellsteig folgt dem Schwellkanal und mit nur leichtem Gefälle geh ich Richtung Brechhäuselau.
Kurz vorher überquere ich die Große Deffernik. Am Wanderparkplatz Brechhäuselau biegt der Goldsteig nach links ab. Die letzten Meter der heutigen Etappe führen duch den Urwald Mittelsteighütte zum meinen Ziel dem Zwieseler Waldhaus.
Route & Daten
Zeit
Niedrigster Punkt
runter
Distanz
Höchster Punkt
rauf
Etappenübersicht
Von Bad Kötzting zum Großen Arbersee
Tag 1In fünf Tagen durchquerte ich den Nationalpark, indem ich felsige Pfade entlangschritt, von der frischen Luft und dem Duft der Wälder umgeben, während ich mich in die magische Atmosphäre des Bayerischen Waldes versenkte. Die erste Etappe führt mich von Bad Kötzting auf der zwölf Tausender Tour zum Großen Arbersee.
Vom Großen Arbersee zum Zwieseler Waldhaus
Tag 2Nach einer anspruchsvollen ersten Etappe wird es heute etwas gemächlicher. Ich verlasse den Großen Arbersee, wandere am Großen Regen entlang nach Bayerisch Eisenstein. Durch den einen oder anderen Urwaldabschnitt führt mich der Goldsteig über das Schwellhäusl zum Zwieseler Waldhaus.
Vom Zwieseler Waldhaus nach Buchenau
Tag 3Ich verlasse das Zwieseler Waldhaus und wandere hoch zum Ruckowitzschachten. Gemächlich geht es weiter zum Großen Falkenstein. Nach einer Brotzeit mit grandiosem Panorama quere ich weitere Schachten und erreiche den Scheuereckberg. Ein letzter Blick nach Tschechien und ich steige dann ab zu meinem Ziel, dem Schloss Buchenau.
Von Buchenau zur Racheldiensthütte
Tag 4Heute entdecke ich die Welt der Schachten. Frühmorgens steige ich auf zum Lindbergschachten und wandere über die Hirschbachschwelle zum Zwieselter Filz. Nachdem ich mehrere Schachten quere, erreiche ich den Großen Rachel und genieße kurz darauf den traumhaften Blick von der Rachel Kapelle. Mit einem Abstecher zum Rachelsee erreiche ich mein Etappenziel die Racheldiensthütte.
Von der Racheldiensthütte nach Mauth
Tag 5Die letzte Etappe führt mich von der Racheldiensthütte über einen traumhaften Pfad zum Teufelsloch. Auf einem Bohlenweg reiche ich die Gläserne Arche. Anschließend steige ich die Himmelsleiter zum Lusen Gipel hoch. Der Abstieg erfolgt über den Tummelplatz mit einer Rast an der Steinbachklause. Nur noch eine kurzer Weg führt mich runter nach Mauth. Hier ist meine 5 Tageswanderung zu Ende.
