5 Tage allein auf dem Goldsteig
- Bayerischer Wald, Goldsteig, Wandern national
Inhaltsverzeichnis
ToggleDer Goldsteig
In fünf Tagen durchquerte ich den Nationalpark, indem ich felsige Pfade entlangschritt, von der frischen Luft und dem Duft der Wälder umgeben, während ich mich in die magische Atmosphäre des Bayerischen Waldes versenkte.
Sei bereit, mit mir auf eine atemberaubende Wanderung durch den Bayerischen Wald und den Großen Arber zu gehen und uns in der magischen Atmosphäre dieses wunderschönen Ortes versetzen lassen.
„Die schönsten Ausblicke sind die, für die man arbeiten muss.“
Seit Herbst 2006 führt der neue Qualitätswanderweg “Goldsteig” durch den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald. Die Route startet in Marktredwitz und umfasst zwei Optionen, die eine Gesamtlänge von 660 Kilometern bieten. Sie führt durch das größte zusammenhängende Waldgebirge Mitteleuropas bis nach Passau. Der Goldsteig ist der längste und vielseitigste Prädikatswanderweg. Ich habe mir den spektakulärsten Abschnitt durch den Nationalpark Bayerischer Wald ausgesucht, der mir die wahre Schönheit des Waldes offenbarte. Fünf Tage allein durch wunderschöne Natur. Diesmal ohne Zelt, weil das Camping im Nationalpark strengstens verboten ist.
Tag 1 - Bad Kötzting zum Großer Arbersee
Ich starte früh am Morgen in Bad Kötzting und beginne meine Wanderung entlang des Regens. Der Zubringerweg gewinnt an Höhe und bald erreiche ich Reitenberg, wo ich auf den Goldsteig treffe. Die Wanderung setzt sich fort, indem man den Plattenstein überquert und eine beeindruckende Aussicht genießt. Kurz darauf stehe ich an der Räuber Heigl Höhle. Nach wenigen Minuten erreiche ich schließlich den Kaitersberg. Der Kreuzfelsen am Kaitersberg bietet ein atemberaubendes Panorama das ich nicht verpassen will.
Der Goldsteig führt weiter entlang des Bergkamms des Kaitersbergs, vorbei am markanten Mittagsstein und hin zu der idyllischen Kötztinger Hütte. Bei schlechtem Wetter bietet sich hier ein angenehmer Ort für eine Pause. Heute genieße ich jedoch das herrliche Wetter und durchwandele das Steinbühler Gesenke, ein beeindruckender Abschnitt mit steilen Felsen und faszinierenden Ausblicken ins Tal. In der Ferne erkenne ich bereits die markanten Rauchröhren, die wie Zeugen der Naturgeschichte das Landschaftsbild prägen. Kurz vorher teilt sich der Weg in einen einfachen und einen schwierigeren Pfad zu den Rauchröhren. Ich entscheide mich für den anspruchsvolleren von beiden. Dort werden meine Fähigkeiten im Kraxeln getestet, als ich durch die enge Schlucht zwischen zwei imposanten Felstürmen steige.
Geschichte der Rauchröhren
Die Legende besagt, dass die Bewohner im Dreißigjährigen Krieg in den Wäldern und Bergen Zuflucht suchten, um sich vor den anrückenden Soldaten zu verstecken. Da sie sich warm halten und essen kochen mussten, entzündeten sie ihr Feuer zwischen Felsen. Der helle Schein des Feuers wurde so verborgen und der Rauch zog an den Felsen entlang nach oben, wo er nicht mehr geortet werden konnte. Daher bekamen die Felsen den Namen „Rauchröhren“.
In einem gemächlichen Auf- und Ab zieht der Weg weiter zum Großen Riedelstein. Oben angekommen mache ich am Waldschmidt Denkmal eine ausgiebige Pause mit einem grandiosen Panorama. Ich lehne am Waldschmidt Denkmal und freu mich über die Pracht des Weges. An guten Tagen reicht der Blick bis zu den Alpen. Noch nicht mal die Hälfte ist geschafft, noch acht weitere Tausender warten auf mich. Umso mehr schmeckt mir meine verdiente Brotzeit. Schnell noch alle Video- und Foto Motive abgelichtet, stopfe ich mein Zeugs wieder in den Rucksack und weiter geht es.
Nach dem Gipfel biegt der Weg rechts ab zum Kleinen Riedelstein. Der Panorama-Hunger ist noch nicht gestillt, so dass ich mich hier nochmals mit einem wunderbaren Blick versorgen kann. Durch den Wald führt der Weg bergab. Mehr und mehr Tagesausflügler begegnen mir, bevor ich schließlich am Parkplatz des Berggasthofes Eck ankomme.
So auf geht’s! Noch habe ich acht weitere Tausender vor mir. Ein Forstweg zieht langsam, immer mehr fordernd, hoch zum Mühlriegel. Vereinzelnde Felsformationen markieren den Gipfel. Wenige Minuten später passiere ich das Felsmassives des Ödriegels. Es ist wieder Zeit, mich etwas auszuruhen und am Waldwiesenmarterl finde ich eine Bank im Schatten, um neue Kraft zu tanken. Interessiert studiere ich die Edelstahltafel mit der zwölf Tausendertour.
Heute Abend werde ich sie alle bezwungen haben. Ein schöner Pfad folgt dem Kamm der nach einer mit Felsen verblockten Stelle am Hängenden Riegel das Schwarzeck erreicht. Hier öffnet sich ein weiter Blick nach Osten zum Großen Osser. Mit motivierenden Gedanken quere ich den Reichschflecksattel. Fast schwebend erreiche ich den Heugstatt. Jetz bin ich richtig im Flow – was eine tolle Tour. Augenblicke später erreiche ich den Enzian. Der Wind pfeift mir um die Ohrenn, nur Jungbäume und ein paar Felsen markieren den Gipfel. Zum ersten Mal bietet sich mir die Gelegenheit, den Großen Arber in all seiner Herrlichkeit zu erblicken aber vorher muss ich noch auf den Kleinen Arber.
Maximilian Joseph Mathias Schmidt genannt Waldschmidt
Maximilian Schmidt gründete 1890 den Bayerischen Fremdenverkehrsverband, um Tourismus in Bayern zu fördern. 1895 organisierte er ein Volksfest zum Oktoberfest und entwickelte daraus das jährliche Trachten- und Schützenzug Fest. Er wurde bekannt als „Kostüm-Schmidt“ aufgrund seiner Interessen an Volkstrachten. In seinen Werken sind Beschreibungen der bayerischen und benachbarten westböhmischen Volkstrachten überliefert.
Nach kurzem Innehalten packe ich meine Sachen wieder zusammen und schreite voran. Wie ein Fluss, der sich durch die Landschaft schlängelt, bewege ich mich bergab, teilweise über einen wundersamen Bohlenweg, der wie eine magische Brücke über das kleine Moor führt. Schließlich erklimme ich den Kleinen Arber, auf einem steilen Pfad, der mir wie ein enger Weg ins Herz des Berges vorkommt. Doch meine Etappe ist noch nicht geschafft, und so beginne ich einen letzten Abstieg. Ich passiere kurz darauf die Chamer Hütte und strebe dem höchsten Gipfel entgegen: dem Großen Arber.
Ein letzter Anstieg durch die Bodenmaiser Mulde und dann stehe ich hier: auf dem Thron des Bayerischen Waldes, lasse meinen Blick durch die Weiten des Nationalparks gleiten und bin beeindruckt, was für eine unglaubliche Landschaft ich durchwandern durfte. Das Gipfelkreuz wirkt klein und bescheiden neben den zwei weißen, großen Kugeln. Der Große Arber mit 1455 Meter Höhe ist der höchster Berg im Bayerischen Wald und beherbergt eine Funk- und Radaranlage der NATO zur Überwachung des Luft- und Funkverkehrs. Besondere Bedeutung hatte dies während der Hochzeit des Kalten Krieges, weil die tschechische Grenze nicht weit entfernt ist. Der ganze Tag ist wie ein märchenhaftes Abenteuer, das mich auf eine Reise durch die Natur entführt hat.
Der Blick auf die Uhr bringt mich wieder zurück auf den Boden, denn ich will ja noch den letzten Bus am Großen Arbersee erwischen, der mich dann runter nach Bodenmais bringen soll. Mit einigen intensiven Blicken verabschiede ich mich von dem majestätischen Großen Arber und seinem atemberaubenden Panorama.
Ich nehme die Füße unter Arme und los geht es abwärts. Der steinige Pfad, ein wilder Strom von Felsen und Wurzeln, führte mich runter und schneller als erwartet stehe ich am Großen Arbersee.
Geschafft! Und mir bleiben sogar noch einige Minuten bis der Bus kommt. Was ein Auftakt in meine 5 Tages Wanderung im National Park Bayerischer Wald…. Und ja – ich habe sehr gut geschlafen 😉
Route & Daten
Zeit
Niedrigster Punkt
runter
Distanz
Höchster Punkt
rauf
Alternative
Für einen erfolgreichen Abschluss der Tour benötigst du mehr als 30 km und etwa 12 Stunden, was ein gewisser Grad an körperlicher Fitness erfordert. Wer sich mehr Zeit lassen möchte um die Tour nicht an einem Tag zu machen, kann die Wanderung am Berggasthof Eck beenden und dort pausieren. Hier besteht die Möglichkeit zu übernachten. Im Saisonbetrieb ist der Ort zudem durch einen Bus angebunden.
Etappenübersicht
Von Bad Kötzting zum Großen Arbersee
Tag 1In fünf Tagen durchquerte ich den Nationalpark, indem ich felsige Pfade entlangschritt, von der frischen Luft und dem Duft der Wälder umgeben, während ich mich in die magische Atmosphäre des Bayerischen Waldes versenkte. Die erste Etappe führt mich von Bad Kötzting auf der zwölf Tausender Tour zum Großen Arbersee.
Vom Großen Arbersee zum Zwieseler Waldhaus
Tag 2Nach einer anspruchsvollen ersten Etappe wird es heute etwas gemächlicher. Ich verlasse den Großen Arbersee, wandere am Großen Regen entlang nach Bayerisch Eisenstein. Durch den einen oder anderen Urwaldabschnitt führt mich der Goldsteig über das Schwellhäusl zum Zwieseler Waldhaus.
Vom Zwieseler Waldhaus nach Buchenau
Tag 3Ich verlasse das Zwieseler Waldhaus und wandere hoch zum Ruckowitzschachten. Gemächlich geht es weiter zum Großen Falkenstein. Nach einer Brotzeit mit grandiosem Panorama quere ich weitere Schachten und erreiche den Scheuereckberg. Ein letzter Blick nach Tschechien und ich steige dann ab zu meinem Ziel, dem Schloss Buchenau.
Von Buchenau zur Racheldiensthütte
Tag 4Heute entdecke ich die Welt der Schachten. Frühmorgens steige ich auf zum Lindbergschachten und wandere über die Hirschbachschwelle zum Zwieselter Filz. Nachdem ich mehrere Schachten quere, erreiche ich den Großen Rachel und genieße kurz darauf den traumhaften Blick von der Rachel Kapelle. Mit einem Abstecher zum Rachelsee erreiche ich mein Etappenziel die Racheldiensthütte.
Von der Racheldiensthütte nach Mauth
Tag 5Die letzte Etappe führt mich von der Racheldiensthütte über einen traumhaften Pfad zum Teufelsloch. Auf einem Bohlenweg reiche ich die Gläserne Arche. Anschließend steige ich die Himmelsleiter zum Lusen Gipel hoch. Der Abstieg erfolgt über den Tummelplatz mit einer Rast an der Steinbachklause. Nur noch eine kurzer Weg führt mich runter nach Mauth. Hier ist meine 5 Tageswanderung zu Ende.
