5 Tage allein auf dem Goldsteig

Die letzte Etappe führt mich von der Racheldiensthütte über einen traumhaften Pfad zum Teufelsloch. Auf einem Bohlenweg erreiche ich die Gläserne Arche. Anschließend steige ich die Himmelsleiter zum Lusen Gipfel hoch. Der Abstieg erfolgt über den Tummelplatz mit einer Rast an der Steinbachklause. Nur noch eine kurzer Weg führt mich runter nach Mauth. Hier ist meine Fünf-Tageswanderung zu Ende.

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. „

(Erich Kästner)

Früh muss ich aus den Federn. Wenn man hier mit dem Zelt unterwegs sein könnte, wäre das natürlich perfekt, aber da ich mich im Nationalpark bewege, arangiere ich mich damit. Nun sitze ich im Rufbus, der eigentlich wie ein Taxi ist, und fahre Richtung Zwieseler Bahnhof. Der frühe Wanderbus bringt mich hoch, zurück zur Racheldiensthütte. Bei großartigem Wetter starte ich meinen letzten Tag am Goldsteig. An der Racheldiensthütte herrscht noch friedliche Morgenstimmung. Die Hütte ist noch geschlossen und die Sonnenschirme sind noch eingeklappt. Zwischen den Hütten durch führt mich der Weg in den Wald. “Buntspecht”, so heißt der Weg, der mich wieder auf den Goldsteig bringen wird. Kleine Wasserläufe queren meinen Weg, ein Eichkätzchen erregt meine Aufmerksamkeit. Der Wald strahlt eine harmonische Stimmung aus.

Racheldiensthütte
Racheldiensthütte
Unterwegs auf dem Goldsteig zum Teufelsloch
Unterwegs zum Teufelsloch

Das Wetter war mir bisher gnädig und dafür bin ich sehr dankbar. Die Sonne spitzt immer wieder durchs Blätterdach. Der Trail führt parallel den Hang entlang, manchmal über kleine Brücken, und wieder spüre ich diese Leichtigkeit in mir. Ich wandere durch Buchenwälder und steige über Baumstämme. Im Nachhinein wird mir wieder bewusst, wie schön dieser Abschnitt war. An diesem Morgen bin ich bis jetzt noch keiner Menschenseele begegnet. Vermutlich werden die Tageswanderer erst am Lusen zu finden sein. Ein Wegweiser informiert mich darüber, dass ich gleich am Teufelsloch bin. Dann tauchen schon die Felsblöcke auf, weit verstreut liegen sie hier herum. Leider scheint der Teufel heute nicht zu Hause zu sein, jedenfalls hab ich ihn nicht gehört.

Kurze Zeit später läuft der Goldsteig wieder auf Holzbohlen. Es scheint, dass der Abschnitt oft sehr feucht ist. Heute ist alles trocken und wie auf einem Laufsteg komme ich der Gläsernen Arche immer näher. Die Sonne glitzert und spiegelt sich in den 480 einzelnen Glasscheiben des fast fünf Meter langen und drei Tonnen schweren Bootes. Hier hat sie jetzt ihren Hafen gefunden, nach dem großen, erlebnisreichen Kunstprojekt.

Das Teufelsloch

Viele Mythen und Sagen gibt es zum geheimnisvollen Teufelsloch. Das Blockmeer aus Granit verbirgt einen unterirdischen Bachlauf.
Ein guter Ausgangspunkt, um zum Teufelsloch zu gelangen, ist Waldhäusern. Von dort ist es über die Martinsklause gut zu erreichen. Laut einer Sage war der Teufel an der Entstehung des Lusens beteiligt und soll an manchen Tagen noch am Teufelsloch zu hören sein – wie ein Schatten im Dunkeln, der unvermittelt auftritt und wieder verschwindet.

Bohlenweg zur Gläsernen Arche
Bohlenweg zur Gläsernen Arche
Glasarche
Glasarche

An der Arche treffe ich dann auch auf die Tageswanderer, die das Kunstwerk bestaunen und anschließend den Lusen besteigen. Gleich um die Ecke entdecke ich einen Pavillon – willkommener Schutz bei schlechtem Wetter oder um nochmal Kräfte zu sammeln, bevor es auf den Lusen geht. Anfangs noch mit mäßiger Steigung, bis ich dann die sogenannte Himmelsleiter erreiche.

Himmelsleiter am Lusen
Himmelsleiter am Lusen

Die Glasarche

Sie verweilte an vielen Plätzen in der Waldwildnis der beiden Nationalparke (Nationalpark Bayerischer Wald und den Nationalpark Šumava), in Ortschaften und vor Glashütten. Begleitet von einer Vielzahl fantasievoller Aktivitäten wie Theaterstücken, Exkursionen und Kunstworkshops mit Schulklassen, inspiriert die Glasarche die Menschen. Die Glaskünstler Ronald Fischer und Hubert Stern erschuffen die Arche. Seit 2009 erinnert eine zweite Glasarche vor dem Glasmuseum in Frauenau an diese bewegende Reise und das unvergessliche Kunstprojekt.

Einer Treppe ähnlich sind die Felsen angeordnet, um die starke Steigung zu meistern. Es drückt mir den Schweiß aus allen Poren und die Sonne tut ihr Übriges. Der Bereich um die Kuppe ist gekennzeichnet durch ein Meer von Steinblöcken. Hier steht kein Baum und man steigt von einem Block zum nächsten bis zum Gipfel. Dieser Berg hat wirklich einen ganz anderen Charakter als die letzten. Die Spitze markiert ein großes Holzkreuz. Die Grenze zu Tschechien ist nur einen Steinwurf entfernt. Jetzt erstmal ausruhen, Energie tanken und das grandiose Panorama in mich aufsaugen.

Das Lusenschutzhaus ist nur wenige Minuten unterhalb des Gipfels. Als ich davor stehe, um ein Foto zu schießen, kann ich einfach der Terrasse nicht widerstehen, und was soll’s, ich habe ja noch Zeit. Mit einem „bleifreien“ Weißbier stoße ich mit mir auf den letzten bezwungenen Berg an.

Lusen Gipfel
Lusen Gipfel

Ich breche zum Abstieg auf. Ein paar 100 Meter unterhalb des Lusenschutzhauses wechselt der Goldsteig von der Straße in den Wald. Eine kurze, relativ steile Passage wechselt dann in einen fast ebenen, steinigen Trail. Gemütlich wandere ich hier entlang und bin schneller als gedacht an der Schutzhütte „Tummelplatz“. Was mich da wohl erwartet?

Lusenschutzhaus
Lusenschutzhaus

Auf alle Fälle ein interessanter Name. Wenige Meter später lüftet sich das Geheimnis. Nach meiner Schachten-Erfahrung der letzten Tage, würde ich sagen, es ist ein Schachten mit Gebäude. Offiziell wird es Waldweide genannt. Laut Führer ein Forsthaus mit Forschungsstation der Nationalparkverwaltung. Egal – schön ist es hier.

Tummelplatz
Tummelplatz

Der Wanderführer verrät mir außerdem, dass ein Abstecher zum Großalmeyerschloss, eine gute Option wäre. Moment, ein Schloss hier oben? Okay, es ist nur ein Aussichtspunkt bzw. der Gipfel Hohlstein. Ich hab’ mir das geschenkt. Vom Tummelplatz weg führt mich eine sandige Forststraße zurück in den Wald. Wenige Minuten später biege ich links in einen Trail ein. Der Steig führt mich landschaftlich schön zur Steinbachklause. Es empfängt mich eine Schutzhütte und direkt daneben der Steinbach. Idyllisch sieht es hier aus und das Plätschern des Wassers tut sein Übriges. Bald geht meine Tour zu Ende und ein wenig Wehmut kommt in mir auf. Der Steinbach lässt sich auf Holzplanken überqueren. Ein perfekter Platz um meine Füße in das kühle Nass zu hängen. Nach Stunden des Wanderns tut das richtig gut. 

Steinbachklause
Steinbachklause

In der Sonne sitzend döse ich vor mich hin. Das kalte Wasser bringt mich wieder auf den Boden der Tatsachen ins Hier und Jetzt. Kurz abtrocknen und ich bin schon wieder auf dem Trail nach Mauth. Eine Stunde bis Mauth, zeigt mir der Wegweiser. Wunderschön schlängelt sich der Pfad dem Wildbach folgend Richtung Tal. Es rauscht und blubbert, Bäume liegen kreuz- und quer.

Mauth
Mauth

Nochmal zeigt mir der Goldsteig was er alles zu bieten hat. Es folgt eine letzte Passage über ein Feuchtgebiet. Der Bohlenweg wirkt für mich wie das letzte Highlight meiner Wanderung. Ein letzter Hinweis auf einem Schild verrät mir in 15 Minuten bin ich in Mauth. Dann ist es so weit, ich habe es geschafft. 5 Tage und 116 km später bin ich am Ende meiner Tour. Wie bestellt steht das Schild “Nationalpark Bayerischer Wald” vor mir. Gerne platziere ich mich für eine letzte Aufnahme davor. Goldsteig – Danke für das schöne Erlebnis.

Route & Daten

0  Stunden

Zeit

0  m

Niedrigster Punkt

0  m

runter

0  km

Distanz

0  m

Höchster Punkt

0  m

rauf

Etappenübersicht