5 Tage allein auf dem Goldsteig

Ich verlasse das Zwieseler Waldhaus und wandere hoch zum Ruckowitzschachten. Gemächlich geht es weiter zum Großen Falkenstein. Nach einer Brotzeit mit grandiosem Panorama quere ich weitere Schachten und erreiche den Scheuereckberg. Ein letzter Blick nach Tschechien und ich steige dann ab zu meinem Ziel, dem Schloss Buchenau.

„Je steiniger der Weg desto wundervoller das Ziel.“

Mit Sonne und blauem Himmel starte ich in den Tag. Der Goldsteig zeigt sich wieder von der besten Seite. Ein letztes Foto vom Zwieseler Waldhaus und ich befinde mich schon wieder auf dem Trial. Gleich hinterm Haus taucht man in den Urwald ein. Der Urwald Mittelsteighütte ist einer der ersten Schutzgebiete Bayerns. Eine Infotafel versorgt mich mit Fakten zum Wald. Hier gibt es viel Tot- und Moderholz in dem sich heimische Käfer wohlfühlen. Das Alter der Bäume ist bis über 500 Jahre. Hier bleibt alles liegen, alte Baumstämme liegen kreuz und quer, nur der Wanderweg wird freigehalten. Auch werde ich vor umstürzenden Bäumen und herabfallenden Ästen gewarnt, das ist definitiv ein guter Hinweis, denn heute weht ein starker Wind.

Zwieseler Waldhaus
Zwieseler Waldhaus

Die Baumkronen biegen sich im Wind und um ehrlich zu sein will ich keinen Ast auf den Kopf bekommen. Mit erhöhter Aufmerksamkeit steige ich den Goldsteig höher. Der Wald macht heute wirklich viele Geräusche und so geht mein Blick öfters nach oben als gewohnt. Lieber einmal zu oft geschaut 😉 .

Ruckowitzschachten
Ruckowitzschachten

Heute entdecke ich die Schachten. Nur noch wenige Schritte trennen mich vom Ruckowitzschachten. Dieser ist nicht nur mein erster Schachten, nein, er ist auch der größte Schachten im Bayerischen Wald und etwa 800 Meter mal 300 Meter groß. Hier weiß ich noch gar nicht wie viele Schachten ich die nächsten Tage noch queren werde. Es ist schön, hier oben. Die Landschaft fühlt sich fast wie ein angelegter Park an und wechselt zwischen Grasflächen und Heidelbeersträuchern. Dazwischen stehen vereinzelt Bäume, die, soweit ich mich richtig informiert habe, als Schattenspender für das weidende Vieh gedient haben. Ich verlasse den Ruckowitzschachten und nähere mich den Ruckowitzberg. 

Schachten

Ein Schachten ist eine von Menschen geschaffene Lichtung in hoch gelegenen Wäldern, die oft als Weidefläche genutzt wurde. Diese hutangerartigen Wiesen finden sich auf Kuppen, Sattellagen und Hochplateaus im Böhmerwald, Bayerischen Wald, Sauerland, Bergischen Land und südlichen Frankenjura. Sie sind historische Kulturlandschaftselemente.

Kurz darauf biege ich rechts ab und mache einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt. Der Große Arber ist von hier gut zu erkennen und ich finde es beachtlich, welche Distanz ich schon zurückgelegt habe. Zurück auf dem Goldsteig führt der Weg fast plateauartig zum Großen Falkenstein. Der Abschnitt hier ist geprägt vom Vermächtnis des Borkenkäfers.

Ruckowitzberg
Ruckowitzberg
Gipfel Großer Falkenstein
Großer Falkenstein

Er sieht wie gerodet aus und viele Baumstümpfe wirken wie Bartstoppeln in der Landschaft. Von Touristen belagert, empfängt mich der Große Falkenstein. Zwiesel, Regen, Frauenau und viele Berge des Bayerischen Waldes kann ich am Horizont erkennen. Weit reicht der Blick und auch noch auf der Terrasse des Falkenstein-Schutzhauses habe ich eine grandiose Aussicht, während ich ein alkoholfreies Weißbier genieße. Das Falkenstein-Schutzhaus wurde 2019 neu erbaut und harmoniert gut mit der urwüchsigen Landschaft im Nationalpark. Es ist ein schnörkelloser Holzbau auf einem Betonfundament und wirkt trotzdem traditionell. Ein Highlight ist das Panoramafenster in der Gaststube.

Um dem Goldsteig zu folgen, muss ich wieder ca. 500 Meter zurückgehen. Der Wegweiser zeigte mir schon mein nächstes Ziel, den Sulz-Schachten. Kurz darauf passiere ich ihn und am Großen Höllbach folgt der Goldsteig der Höllbachstraße. Hier komme ich schnell voran und quere bald darauf den Albrechtschachten. Bis zum Rindelbach bleibt er eine Forststraße und wird dann wieder zu einem schönen Steig. Wenig später schreite ich schon durch die Heidelbeersträucher des Rindl-Schachtens – ein schöner, einsamer Schachten. An einem urigen Baum gelehnt mache ich nochmal eine Pause. Hier lass ich die Stimmung auf mich wirken und male mir in meiner Phantasie aus, wie das Leben hier oben wohl früher war. Nochmal wird der Goldsteig zu einer “Forst-Autobahn” und zieht sich dem Rindelsteig entlang. Manchmal sind solche Passagen eine angenehme Abwechslung, da sie Zeit zum Nachdenken bieten und ich mich nicht auf jeden Schritt konzentrieren muss. Schneller als erwartet führt der Goldsteig von der Straße weg in den Wald. Im Slalom geht es durch einen jungen Fichtenbestand.

Rindl-Schachten
Rindl-Schachten
Jährlingsschachten
Jährlingsschachten
Schloss Buchenau
Schloss Buchenau

Langsam, immer steiler werdend, zieht der Wanderweg hoch zum Scheuereckberg. Hier erwartet mich der letzte Schachten für heute. Der Jährlingsschachten breitet sich vor mir aus. Wenige Meter weiter oben stehe ich auf dem Gipfel des Scheuereckbergs und schaue rüber nach Tschechien. Der Gipfel des Poledník grüßt zu mir rüber. Auch dieser Schachten liegt einsam und wunderschön hier oben. Am Fuße des Schachten führt der Weg raus und ab hier geht’s dann stetig bergab. Anfangs steige ich noch durch den Wald ab, dann muss ich auf eine Straße wechseln, die mich schlussendlich nach Buchenau zum Schloss bringt.

Route & Daten

0  Stunden

Zeit

0  m

Niedrigster Punkt

0  m

runter

0  km

Distanz

0  m

Höchster Punkt

0  m

rauf

Etappenübersicht